szmmctag
  • Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Punkt!

    Jamie Oliver bestraft seine Tochter mit Chili, "weil sie frech war". Der Chili-Gate geht durch die Medien. Oliver will Kindern gutes Essen nahe bringen und straft - hinterhältig und geplant wegen einer "Frechheit" - sein Kind mit Essen?

    Scotch_Bonnets

    Das geht gar nicht. Das geht absolut gar nicht. Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Und auch wenn es nicht in alle Köpfe geht: das geht!!!

    1. Strafen funktionieren nicht, Herr Oliver. Vergessen Sie es. Authentisches Gegenüber funktioniert, auch Konsequenzen ("so können wir nicht losfahren, es geht einfach nicht!") sind verständlich, aber meiner Ansicht nach ist die Strafe an sich ein völlig überholtes, falsches, gewalttätiges, sinnloses Erziehungsmittel.

    2. Was Sie getan haben, ist auch aus meiner Sicht Kindesmisshandlung. Sich öffentlich damit zu brüsten, ist nicht nur ein PR-Lapsus - es ist ein erschreckender Blick in die Wirklichkeit unserer Zeit.

    3. Aber am meisten schockiert haben mich die Berichterstattungen und Reaktionen in Deutschland - autsch!!

    Ich bin heilfroh, dass es Frauen wie Susanne Baller gibt, die auf Stern.de schon vor der großen Empörungswelle schrieb:

    "Das ist, gerade bei einem Koch, der genau weiß, was er tut, ein Fall von Kindesmisshandlung."

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  • Krippenbetreuung - artgerecht oder nicht?

    Darf ein AP-Verfechter Krippenbetreuung gut finden? Dürfen wir von artgerecht Krippenbetreuung als eine Möglichkeit sehen? Ist frühe Fremdbetreuung Kindesmisshandlung? Lange Jahre nachdem mein Artikel "Attachment-Parenting funktioniert nicht" erschienen ist und Jahre, in denen viele Menschen sich sehr darüber aufgeregt haben, dass ich AP jede Funktionslogik abspreche, gibt es jetzt die Debatte auf einer neuen Ebene.

    Sind wir bei Artgerecht nun für oder gegen Krippenbetreuung?

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  • Erwartungen zurückgeschraubt

    Heute kommt ein Bericht von Madeleine für unsere Serie der Windelfrei-Erfahrungen:

    Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
    Ich bin selbst Hebamme und eine meiner Kolleginnen im Geburtshaus hat mir davon erzählt. Ich war in der Schwangerschaft dann überzeugt davon, das zu machen und dass es auch einwandfrei funktionieren müsste. Jetzt habe ich meine Erwartungen ziemlich zurückgeschraubt und mache nachts windelfrei (da habe ich wirklich Glück, denn sie schläft zwar nicht durch, aber pinkeln tut sie erst morgens wieder, sodass sie nachts tatsächlich ohne Windeln schlafen kann) und tagsüber windelwenig: wenn ich sie zu Oma bringe oder wir unterwegs sind, trägt sie Stoffwindeln, aber wenn es warm ist, wir im Sommer viel draußen waren oder ich mit ihr alleine zuhause bin, dann bleibt sie einfach unten ohne und ich habe eine 50:50 Chance, Pipi und Kacka zu erwischen, weil sie (für mich) nicht eindeutig signalisiert. Ansonsten wische ich eben viel auf und hoffe, dass sie, sobald sie größer ist und sich mitteilen kann, dann sagt, wann sie muss und dadurch früher trocken wird als andere Wickelkinder.

    Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
    Mit zwei Wochen habe ich angefangen sie abzuhalten. Als sie drei Monate wurde, habe ich die Windeln ganz weggelassen, was nachts gut klappt, tagsüber eine 80%ige Erfolgsquote hatte (bis sie zu essen anfing) und dann mit ca. 6 Monaten angefangen sie tagsüber wieder mehr zu wickeln, weil unten ohne zu kalt war und sie anfing sich von ihren Tüchern wegzubewegen. Außerdem war sie wahrscheinlich verwirrt, dass sie manchmal in die Windel machen musste (wie bei Oma) oder wenn wir im Auto saßen, dass sie sich das Signalisieren vielleicht auch wieder abgewöhnt hat.

    Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
    Das weiß ich nicht mehr genau. Einige... 10-12? Zeitweise mussten wir die Stoffwindeln sogar trocknen ohne zu waschen, um hinterher zu kommen.

    Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
    5-6 pro Tag, Sie ist jetzt über 7 Monate.

    Nutzt Du auch andere Backups?
    Ich hatte zu unserer Hochzeit vor kurzem ein Paket WWW gekauft und brauche das jetzt noch auf. Ich habe aber ein richtig schlechtes Gewissen dabei, als würde ich es mir einfach machen, auf Kosten meines Babys. Aber es ist einfach so einfach und vor allem bleiben die Klamotten trocken. Da ich die Schurwollüberhose über den Bindewindeln weglasse, weil das Paket dann so riesig ist, wird bei einem Pinkeln mittlerweile alles nass und man hat den halben Tag ein feuchtes Kind auf dem Arm, aber ich kann sie auch nicht alle halbe Stunde komplett umziehen, weil sie das ganz fürchterlich findet. Mein Mann findet die Pampers aber auch doof und meint, wir sollen bei den Stoffwindeln bleiben, deswegen werde ich jetzt Überhosen mit einer Nässesperrschicht besorgen und dafür die Bindewindeln weglassen, die man unserem kleinen Wickel-Flüchtling ohnehin kaum noch gescheit umbinden kann.

    Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
    Sie ist manchmal zeitweise etwas gerötet in der Pofalte, aber da das ihre einzige Reaktion auf alles Saure ist, was wir essen, ist das verzeihlich. Ich achte darauf, ihr eine nasse Windel sobald wie möglich zu wechseln und schmiere mit einer homöopathisch zubereiteten Salbe aus Muttermilchnosoden ein. Sie ist nie wirklich richtig wund geworden.

    Welche Standardsituationen probierst Du aus?
    Nach dem Aufwachen – morgens ja, sofort. Dann kommt auch immer etwas. Bevor sie angefangen hat mitzuessen, kam auch hier immer der einzige Stuhlgang am ganzen Tag. Mittlerweile macht sie manchmal bis zu 6 Mal am Tag groß.
    Nach den Tagsüber-Schläfchen nicht immer, weil sie da selten macht. Erst wenn sie dann wieder eine Weile unterwegs war.
    Beim Stillen – nein, bzw. selten. Nur wenn ich sie aufs Töpfchen setze und sie weint, ich aber weiß, dass sie muss, z.B. morgens.
    Nach dem Stillen – ja, klappt auch meistens.
    Nachmittags – wenn vorher meiner Erfahrung nach noch nicht genug Stuhlgang für einen Tag da war.

    Wann klappt es am besten?
    Morgens direkt nach dem Aufwachen. Das ist das eine Mal am Tag, das wirklich zuverlässig von Anfang an funktioniert.

    Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
    Leider nur sehr kurz: wenn sie merkt, dass sie ausgezogen wird, hält sie ein, aber wenn ich es nicht sofort erkenne oder zu spät reagiere, dann pinkelt sie nach spätestens einer Minute los. Häufig merke ich es leider auch erst daran, dass sie schon drückt und setze sie dann schnell für den Rest aufs Töpfchen, aber manchmal ist sie dann so abgelenkt, dass sie dann nicht zuende macht und eine halbe Stunde später haben wir das gleiche Spiel wieder.

    Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?

    Zuhause haben wir ein Asia-Töpfchen. Unterwegs, wenn es warm ist, die freie Natur, oder über dem großen Klo. Manchmal habe ich sie auch schon über einer schon nassen Windel abgehalten, wenn nix anderes zur Hand war.

    Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein?
    Genauso viel Arbeit wie beim Wickeln – mindestens. Durch das häufigere An- und Ausziehen wahrscheinlich sogar mehr. Und auch die Stoffwindeln machen ja noch zusätzlich Arbeit, zumindest bei meiner Variante. (Man sollte sich auf gar keinen Fall zwischendurch mal WWW besorgen, die zeigen dann nur wie viel einfacher es sein kann. Und wenig hilfreiche Omas sagen das schon oft genug.)

    Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
    Ich merke auf jeden Fall, jetzt wo ich sie tagsüber wieder öfter wickele, dass ich weniger darauf achte, ob sie überhaupt signalisiert. Also stärkt das Windelfrei auf jeden Fall die Wahrnehmung für mein Baby. Aber ich denke, auch mit unserer halben Variante verstehen wir uns ziemlich gut und sie kommt ja spätestens dann angekrabbelt, wenn die Windel nass ist und fordert eine neue ein. Das neueste Spiel ist jetzt auch einen See auf den Boden zu machen, nachdem ich sie gerade erfolglos auf dem Töpfchen hatte und dann kichernd davon zu krabbeln. Wahrscheinlich eine Erinnerung, dass ich mich mehr mit ihr beschäftigen soll.

    Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
    Kauft euch keine Wegwerfwindeln, so einfach es auch scheinen mag. Und lasst euch nicht reinreden: Wenn ich meiner Mutter nicht nachgegeben hätte und die Kleine bei ihr nur noch in Windeln hatte (und mir das für unterwegs nicht auch angewöhnt hätte), hätte sie sich das Signalisieren vielleicht nicht so verwirrt abgewöhnt, wer weiß?

    Vielen Dank für Deinen Bericht über Euren Weg!

  • Krippenbetreuung - artgerecht oder nicht?

    Darf ein AP-Verfechter Krippenbetreuung gut finden? Dürfen wir von artgerecht Krippenbetreuung als eine Möglichkeit sehen? Ist frühe Fremdbetreuung Kindesmisshandlung? Lange Jahre nachdem mein Artikel "Attachment-Parenting funktioniert nicht" erschienen ist und Jahre, in denen viele Menschen sich sehr darüber aufgeregt haben, dass ich AP jede Funktionslogik abspreche, gibt es jetzt die Debatte auf einer neuen Ebene.

    Sind wir bei Artgerecht nun für oder gegen Krippenbetreuung?

    Julia hat einen Blogpost geschrieben, in dem sie Jesper Juul darauf hinweist, dass es nicht für alle Eltern möglich oder sinnvoll ist, ihre Kinder drei Jahre lang vorwiegend zu Hause zu betreuen. Und sie hat öffentlich angedeutet, dass es Tage gibt, an denen Kinderbetreuung auch anstrengend sein kann:

    "Hast du jemals an deiner geistigen Gesundheit gezweifelt, weil dir kein anderes Lied einfiel als 'Baaauuuuarbeiter? können wir das schaffen?' "

    Dafür hat sie ordentlich Schelte bekommen - einige haben ihr vorgeworfen, sie würde für Fremdbetreuung argumentieren, weil es mit Kindern zu Hause langweilig sei. Wer Julia kennt, weiß, dass das ferner nicht sein könnte: Julia hat eine viel höhere Bob-Der-Baumeister-Toleranz als zum Beispiel ich. Viele haben - wie so oft im Internet - gelesen, was sie lesen wollten und nicht, was da stand.

    Julia hat in einem neuen Blogpost geantwortet. Ein Auszug:

    Es ist so leicht zu verurteilen und das eigene Lebensmodell für das Alleinseligmachende zu halten (gerade in der AP Szene sind wir ja oft ganz groß darin).
    Es ist leicht, sich nur mit "Gleichgesinnten" zu umgeben.
    Aber das führt uns als Gesellschaft nicht weiter.
    Uns führt nur weiter, wenn wir versuchen, die Spiegel und Filter beiseite zu legen und wirklich, wirklich unsere Herzen aufzumachen und die anderen zu sehen.

    Sind wir nun für oder gegen Krippenbetreuung? Die Antwort ist sehr einfach:

    Wir sind für Wahlfreiheit. Für die Wahlfreiheit ALLER Familien. Wir sind dafür, dass Familien eine ECHTE Wahl haben. Und das ist nicht so einfach.

    Derzeit herrscht eine starker Druck in Deutschland, Kinder in die Krippe zu geben. Für Interessierte: Herbert schreibt in "Die Kindheit ist unantastbar." darüber, wie er den gesellschaftlichen Prozess dahinter sieht. Und der schränkt die Wahlfreiheit ganz klar ein.

    Gleichzeitig empfinden viele Eltern, die arbeiten wollen oder müssen, auch den Gegendruck: ihre Kinder nämlich auf keinen Fall und unter keinen Umständen in irgendwelche Fremdbetreuung zu geben. Ihnen wird Angst und ein schlechtes Gewissen gemacht. Sie werden mit Studien und Drohungen bombardiert, die Kinder würden zwangsläufig verhaltensgestört, es gebe in jedem Fall irreparable Schäden an der Bindung zwischen Eltern und Kind und überhaupt - diese Leute können ihre Kinder doch nicht lieb haben. /Ironieoff

    Ich finde, wir machen es uns damit zu einfach. Viel zu einfach. Natürlich ist Krippenbetreuung ein Problem, so wie sie gerade abläuft. Aber wir können nicht in andere hineinsehen. Wir wissen nicht, warum sie ihre Entscheidungen treffen. Und aus meiner Sicht ist das auch gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir in Deutschland nicht ausreichend qualifizierte, bindungsfreundliche Betreuungsmöglichkeiten haben. Dass Kitas und Krippen übervoll sind, die Mitarbeiter schlecht bezahlt, das Wissen häufig nicht auf dem neuesten Stand - und selbst wenn, auch dort kann keiner zaubern, mit einer Betreuung von 1:5, 1:12 oder gar - wie in Kitas de facto oft, wegen Krankenstand etc. - 1:25 (!?!?!) kann es gar nicht gehen!

    Die Frage der Krippenbetreuung sollte uns Eltern daher nicht spalten. Sie sollte uns Eltern vereinen, und zwar darin, dass wir dafür kämpfen, dass Eltern echte Wahlfreiheit haben: Krippe oder nicht. Dass Kindern in jedem Fall ein Bindungsangebot gemacht wird: Zu Hause oder in der Betreuung. Dass Familien gut leben können - entweder finanziell gut oder mit gutem Gewissen, egal wie sie sich entscheiden.

    Wir sollten weiter dafür arbeiten, dass Eltern Kinderbetreuung haben können, die Bindung ermöglicht und artgerecht ist - so dass Eltern echte Alternativen finden, wenn sie eine brauchen oder wollen.

    Dafür stehe ich. Dafür steht Julias Blogpost. Das ist artgerecht - einander zu helfen, füreinander einzustehen, für eine Verbesserung der Zustände zu kämpfen, damit jeder die Wahl treffen kann, die er für sich braucht - denn artgerecht ist auch, sich frei entscheiden zu können (Vortrag auf dem AP-Kongress).

    Und bis es soweit ist: Gründet Mütterteams, geht zu eurem Artgerecht-Coach und tauscht Ideen aus und baut Netzwerke in eurem "Dorf" auf, wo immer das auch ist.

    Eure Nicola

  • Montags-Mantra: Mache alle 15 Minuten einen Fehler ;)

    "Normale Menschen machen alle 15 Minuten einen Fehler"

    Letztens hat mir jemand erzählt, dass Lufthansa-Piloten bei der Ausbildung angeblich lernen, dass normale Menschen alle 15 Minuten einen Fehler machen. Ist jemand von der Lufthansa hier? Ich konnte es nicht verifizieren, aber das spielt auch keine Rolle: Ich habe festgestellt, dass ich seit diesem Tag viel nachsichtiger mit mir und den Kindern und der ganzen Welt bin. Alle 15 Minuten!

    Ich merke nicht, wann das Baby mal muss.
    Ich bringe den Kleinen schon wieder zu spät ins Bett, so dass er überdreht ist.
    Ich gehe selbst zu spät ins Bett, weil ich noch im Netz rumsurfe und bin morgens wie gerädert.
    Ich esse Crap.
    Ich vergesse das Leergut, obwohl ich zum Bio-Laden fahre.
    Ich lasse schon wieder die Hose in der Reinigung, weil ich den Schnipsel nicht dabei habe.
    ...

    die Liste ließe sich beliebig verlängern. Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, dass er oder sie manchmal so wahnsinnig unkonzentriert, umperfekt und ineffektiv ist?

    Seit ich weiß, dass alle 15 Minuten ein Fehler ganz "normal" ist, bin ich viel entspannter! Ich denke mir: Hey, Menschen sind so. Menschen sind keine Computer. Du kannst nicht immer alles perfekt machen.

    Und dann: Lächeln, Wischen, Waschen! :).

    Sprich: Einfach weitermachen, sich nicht mit Ärger oder Selbstbeschuldigung aufhalten, sich nicht mit Perfektionismus tyrannisieren, sondern guten Mutes drauf vertrauen, dass es völlig ausreichend ist, wenn wir unser Bestes geben. Dann lernen wir nämlich so etwas wie Fehlerfreundlichkeit, eine Voraussetzung für ein glückliches Leben (mehr Details dazu in meinem Mut-Buch beim Beltz-Verlag).

    :)

    Einen schönen, mutigen, fehlerfreundlichen Wochenanfang wünsche ich euch!

    Eure Nicola

  • Willkomen zurück, lieber Jesper!

    Lieber Jesper,

    2 Jahre - genau auf den Tag - nach Deinem letzten Auftritt im Babylon Berlin-Mitte fiel mir gestern die neue GEO Wissen in die Hände. Ich freute mich sehr, darin ein 5 Seiten starkes Interview mit einem aktuellen Foto von Dir zu finden.
    Klar, Du schienst nie wirklich weg zu sein, konnte man Dich doch regelmäßig auf derStandard.at lesen. Aber ich denke, keiner von uns kann nur erahnen, welche körperlichen und psychischen Grenzerfahrungen Du in den letzten 2 Jahren durchleben musstest. Desto großartiger finde ich, dass Du Deinen persönlichen Weg gehst und Dich nicht trotz der Mühseligkeiten des Alltags aufgegeben hast. Sehr dankbar bin ich auch darüber, dass Deine Krankheit Deinen Kopf verschont hat und Du Deine Kompetenz, Impulse für Eltern bei der Beziehungsgestaltung zu ihren Kindern zu setzen, behalten hast. Denn seien es Deine Bücher oder auch Deine Auftritte in Berlin, sie haben mich maßgeblich beeinflusst und werden es sicherlich weiterhin tun.
    Bei Dir findet man keine "7 Schritte zum perfekten Elternsein", dafür aber Anregungen und Denkanstöße zur Selbstreflektion der eigenen Werte und des Handelns. Dein Hauptaugemerk liegt in der zwischenmenschlichen Beziehung und das im kleinsten Kreise, der Familie. Du weißt um die entscheidende Kleinkindzeit. Auch ist es Dir wichtig, hier eine klare und gleichwürdige Sprache zu haben.

    Jesper Juul in GEO WISSEN
    "Nutze deine Intelligenz, Neugier und Empathie, um dein Kind in den ersten drei Jahren seines Lebens kennenzulernen. Verbringe so viel Zeit wie möglich mit ihm; wir sollten die Erziehung nicht schon mit sechs oder zwölf Monaten Institutionen überlassen, etwa den Erzieherinnen im Hort. Wenn du nicht weiterweißt, frag dein Kind um Hilfe und Inspiration - kommuniziert miteinander! Achte auf die Botschaften deines Kindes, nicht nur auf das, was es sagt, und nimm das ernst. Gewinne Klarheit über dich selbst und versuche, du selbst zu sein, denn das hilft nicht nur in der Beziehung zum Kind, sondern in allen Beziehungen."
    - Jesper Juul

    GEO WISSEN Nr. 54 S. 28 "Wie sollten Eltern mit ihren Kindern umgehen?" 

    Dir ist es nicht egal, wie wir miteinander umgehen, weil wir den sicheren Hafen der Familie oder auch einen anderen Ort, an denen wir ebenso bestmögliche Bindungen eingehen können, brauchen. Jeder Mensch - der kleine als auch der große - will gehört und gesehen werden, um selbstsicher und mit Vertrauen in die eigenen Stärken durch die Welt zu gehen. Dabei beachtest Du, dass jede Familie, jedes Elternteil seinen persönlichen Rucksack an Erfahrungen und Wertvorstellungen mit sich trägt. Mitgegeben werden dabei Wünsche und Hoffnungen, die auf die Heranwachsenden projiziert werden. Du schaffst es, dass sich Eltern statt zu Erziehern zu Begleitern entwickeln, die mit ihren Kindern wachsen und lernen.
    Ich schätze Deine achtsame Haltung gegenüber jeder Person und Deine Weitsicht über das kleine Rädchen Familie hinaus für unsere Gesellschaft.

    Dankeschön dafür, Jesper, und ein herzliches Willkommen zurück in den Mainstreammedien (wie es die GEO ist)!

  • Wie Babys signalisieren...

    Ihr wolltet schon immer sehen, wie ein kleines Baby "signalisiert"?

    ... als erstes sucht dieses Baby sehnsüchtig die Mama(brust). Dann merkt es, dass da was im Bäuchlein drückt. Es lässt los und man sieht die Entspannung nach der Erleichterung. *smile*

  • "Artgerecht leben heißt: Sich frei entscheiden können"

    Unser Vortrag vom AP-Kongress jetzt auf Youtube:

  • Julia Dibbern spricht heute auf NDR mit Winterhoff!

    Meine wunderbare Artgerecht-Partnerin Julia Dibbern ist HEUTE um 19:30 als Erziehungsexpertin bei NDR - in einer Talkshow mit Winterhoff!

    Das Thema ist "Ratlose Eltern - oder panische Pädagogen?"

    Das wird spannend!

  • Montags-Mantra - Verpasst den Bus!

    Da heute Dank Zeitumstellung bei einigen auf Facebook schon die Panik ausbrach, holen wir heute mal ein schönes Montags-Mantra wieder hervor, das das hieß: "Verpasst den Bus!"

    Losgehen mit Kindern ist in den meisten Familien Stress. Das muss nicht sein! Doch bis alle angezogen, alles gepackt und der Bus erreicht ist, wird gehetzt, geschimpft, geflucht, es wird gebockt, gebrüllt, es fließen Tränen. Das geht auch anders. Ich hab mal ein paar Ideen gesammlt, wie. Kerngedanke: Seid gut vorbereitet. Und im Zweifelsfall, verpasst den Bus.

    Grundsätzlich geht das so:

    1. Plant mehr Zeit ein für ALLE Wege mit den Kindern
    2. Seid den Kindern einen Schritt voraus
    3. Fragt euch jedes Mal, wenn ihr die Kinder hetzt: Ist das nötig?
    4. Fragt euch jedes Mal, wenn ihr es eilig habt: Ist das nötig?
    5. Fragt euch jedes Mal, wenn ihr zum Bus rennt: Ist das nötig?

    Warum eilen wir, hetzten wir, rennen wir?

    Es gibt m.E. drei Arten von Zwang, der uns zu Eile antreibt:

    1. der innere Zwang (Perfektion, Moral, Erziehung, Verabredungen)
    2. der äußere Zwang (Busabfahrtzeiten, Zugzeiten, Öffnungszeiten, Kursanfangszeiten)
    3. schlechte Vorbereitung

    Häufig vermischen wir die die drei zu einer explosiven Stressmixtur.

    Beispiel: Familie ist zum Schwimmen gehen verabredet. Um pünktlich zu sein, müssen sie den Bus zum 12:34 kriegen. Beim Rausgehen muss der Große nochmal auf Toilette, dann fällt Papa ein, dass er das Handy vergessen hat, unten will Mama nochmal kurz in den Briefkasten gucken und schwups ist der eingeplante Zeitpuffer weg und alle hetzen zum Bus.

    Was kann man konkret dagegen tun?

    1. Liste machen

    Schreibt die nächsten Male im Bus auf einen Notizblock, was heute die Abreise mal wieder verzögert hat. Macht das jedes Mal. Schaut euch nach1-2 Wochen diese Liste an und macht daraus eine "Vor dem Rausgehen-drandenken-Liste" daraus. Je nach Alter der Kinder kann das z.B. sein:

    - Taschen packen
    - Essen einpacken
    - Weg/Busverbindungen VORHER raussuchen
    - wichtige Telefonnummern aufschreiben/speichern/mitnehmen
    - Handy, Geld, Monatskarte, Schlüssel bereitlegen
    - Baby rechtzeitig nochmal stillen und abhalten
    - Kleinkind rechtzeitig nochmal füttern, stillen, abhalten (das vermeidet z.B. auch Anzieh-Streiks, viele Kinder lassen sich nicht anziehen, wenn sie hungrig/durstig/Blase voll ist)
    - großes Kind rechtzeitig dran erinnern, dass es Buch/Spielzeug/Hör-CDs/wasimmereurekindermitnehmenwollen einpackt
    - wasimmereucheinfällt...

    2. Zwang reduzieren

    - Seid frühzeitig: plant gegen äußeren Zwang IMMER einen Bus/Bahn früher ein, damit ihr ggf. einen Puffer habt
    - Seid noch frühzeitiger: wenn ihr Züge oder Flugzeuge erreichen müsst, plant 2-3 Fahrten früher ein (oder 20 Minuten mehr für die Autofahrt)
    - seid vorbereitet - ein Segler sagte mir mal, dass er immer Angst vor Stürmen hat und sich deshalb perfekt drauf vorbereitet -dann müsse er im Sturm selbst keine Zeit mehr mit Angst verschwenden, weil ja schon alles getan sei....
    - geht NIE auf den letzten Drücker ins Schwimmbad/Theater etc. ("Kinder, wenn wir jetzt nicht gehen, hat es ZU!!!")
    - Beziehunge hat Priorität: seid euch bewusst, dass 45 Minuten "jetzt macht endlich!!" für eure Beziehung wahrscheinlich schädlicher ist als 10 Minuten zu spät beim Puppentheater anzukommen
    - bleibt flexibel: Man kann Verabredungen auch anrufen und Bescheid sagen, dass es später wird, wenn wir merken, dass es heute nicht klappt
    - lasst euch nicht ablenken: Ihr MÜSST jetzt NICHT noch schnell in den Briefkasten oder eure Mails schauen, geht JETZT los
    - Keine Angst, nicht perfekt zu sein: wenn ihr jetzt das eine oder andere nicht dabei habt (doch noch einen Apfel extra einstecken? Doch noch schnell die Haare der Kinder kämmen? doch noch ein zweites vorlesebuch? Oh Gott, die BADELATSCHEN!!!), dann habt ihr es eben nicht dabei. Seid offen dafür, dass sich eine Lösung finden wird, vielleicht eine überraschende!, bevor ihr nochmal zurückhetzt
    - Im Zweifelsfall: nehmt den nächsten Bus. Seid halt zu spät. Kommt halt später. Mantra: Dann ist das halt so ;).

    Und warum? Ich stell mir immer vor, was Kinder später von ihrer Kindheit erzählen.

    "Meine Eltern haben uns immer überall hin gehetzt, das war stets total stressig, ich habe losgehen gehasst...."
    oder
    "Naja, wir waren nicht immer pünktlich und wir mussten uns oft von anderen die Buddelsachen leihen, aber wir sind immer ganz entspannt, singend und glücklich umhergezogen..."

    Es ist eure Entscheidung. Es ist euer Leben. Nehmt euch die Freiheit.

    Das Original hier: hier.

    Ich wünsche allen einen stressfreien Wochenanfang!

    :)
    nic

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